Kommunikation in der Corona-Krise


Werbung mit Corinna und Kevin (19)?

München, März 2020

Da war es also endlich – das Ding! Unsere brandneue Webpräsenz war gerade online gegangen, in die wir in den letzten Monaten jede Menge Arbeit, Leidenschaft und Herzblut investiert hatten. Ziel war es, Interessenten und Neukunden unsere Agentur und die Werke der letzten Jahre visuell und attraktiv darzustellen. Darauf haben wir lange hingearbeitet – unser ganzer Stolz. Die neue Homepage kam sehr gut an – gefühlt für 2,5 Tage. Dann kam ein seltsamer Import aus dem fernen China, der mit seinem Schatten alles überdeckte.


Die Gefahr war angekommen! Und es hat nicht lange gedauert, da war bereits die Angst vor möglichen wirtschaftlichen Folgen spürbar. An die eigene Gesundheit dachte zu diesem Zeitpunkt noch niemand so richtig. Waren Corinna und Kevin – Pardon, Corona und COVID-19 – nicht eine leichte Grippe?

Keineswegs! Auf einmal wurden Schulen und Kitas sowie nahezu alle Geschäfte geschlossen, Restaurants mussten ihren Betrieb massiv einschränken und die Event- und Veranstaltungsbranche saß bereits vor einem riesigen Scherbenhaufen. Der Blick in die nahe Zukunft verhieß nichts Gutes. „Die können doch nicht unsere ganze Volkswirtschaft schließen“ haben sich die Meisten gedacht. Doch, sie konnten. Spätestens jetzt war jedem Selbstständigen klar: Das wird auch mich treffen, das geht an niemandem spurlos vorüber.


Wer interessiert sich jetzt noch für Werbung? Wen interessiert jetzt noch meine neue Erfindung, mein Produkt, sofern es kein Impfstoff, keine Maske und kein Toilettenpapier ist? Was war noch gleich mein USP? Hat er etwas mit Corona zu tun? Nein? Dann vergiss es, interessiert jetzt keinen!“


Während ein Großteil der Bevölkerung die Supermärkte stürmte, um sich mit Klopapier und Mehl einzudecken, machten sich andere bereits berechtigte Sorgen um ihre Existenz. Klar, dass gerade jetzt niemandem der Sinn danach steht, sein Unternehmensimage aufzupolieren, wenn es doch per se um das wirtschaftliche Überleben geht. Egal, was Du nun postest, in Newslettern schreibst oder versuchst in aufwändigen Sales-Foldern verkaufsfördernd zu bewerben – es verpufft! Genauso wie der Glaube, man werde in Deutschland schön galant am Virus vorbeischlittern.


Was also tun als Angehöriger der Design- und Kommunikationsbranche? Alles on hold? Füße stillhalten? Ja klar! Und nein!


Das Grübeln hat nicht lange gedauert. Denn wie das Leben so spielt, rief uns – just in diesem Moment – ein neuer „Kunde” an. Er war einer der wenigen, der sich in der jetzigen Zeit überhaupt noch unsere neue Webpräsenz angesehen hatte. Und das aus gutem Grund, wie sich noch herausstellen sollte:

Aus gesundem Aktionismus hatten er und seine zwei Mitstreiter*innen die INITIATIVE FÜR DIE VERANSTALUNGSWIRTSCHAFT gegründet. Und bereits innerhalb von 24 Stunden hatten die drei Macher*innen 1.000 Unterstützer und 2.000 Fans auf Facebook generiert. Tendenz stark steigend.

Die Gründe hierfür erklärte er folgendermaßen:
„In jeder Branche wird es nun Umsatzeinbußen und große Einschnitte geben. Aber in meiner Branche –  Event, Messen und Veranstaltungen – da ist schon jetzt alles auf Null! Und damit meine ich, dass alle Aufträge storniert wurden und gar nichts mehr geht. Wenn nun nicht sehr bald etwas in politischer Hinsicht passiert, dann sind hier nächsten Monat alle pleite.“

Die Initiative und der Kreis ihrer Unterstützer*innen wuchs weiterhin so rasant wie die Infektionszahlen von COVID-19 und so sollten die Macher bald auch in Berlin bei den entscheidenden Ministern Gehöhr finden.

Zurück zum Anruf: „Klasse, was ihr alles bisher gemacht habt. Ihr seid genau die Richtigen für uns! Unsere sehr schnell wachsende Initiative braucht dringend ein einheitliches Erscheinungsbild – zumindest schon mal ein „offizielles“ Logo, mit dem man die Ministerien anschreiben kann.“

Problem 1: „Wir brauchen das Logo bis morgen.“
Problem 2: „Es gibt dafür – zumindest erstmal – keine Vergütung.

Na prima! Viel Stress und keine Belohnung. Nicht unbedingt das, was man jetzt auch noch braucht. Wir baten um Bedenkzeit. Diese dauerte genau 45 Minuten, dann begriffen wir die Aufgabe als Chance in der Krise.
Also zugesagt. Bereits am nächsten Tag von 9 bis 21 Uhr dutzende Logo-Vorschläge entwickelt und einen Favoriten herausgearbeitet. Die Entwicklung eines Logos, welches möglichst unverwechselbar ist und gleichzeitig bei allen gut ankommt (schon das ist eigentlich ein Widerspruch in sich), benötigt unter normalen Umständen gerne mehrere Wochen. Aber was ist schon normal in dieser Zeit?

Das Ergebnis sah nach einer glücklicherweise sehr kurzen Abstimmungsrunde wie folgt aus:



Und schon wurde das neue Erkennungszeichen auf der Homepage und Facebook-Seite der Initiative gelaunched. Die Macher dankten uns mit namentlicher Erwähnung in ihrer Community. „Unser“ Beitrag zur Initiative wurde zahlreich geliked – eine echte Win-Win-Situation in der Krise!

Alle zufrieden, alle glücklich? Mission erfüllt? Noch nicht ganz:

Zwei oder drei von 3.000 Facebook-Fans – also ca. 0,1 Prozent (!) – fühlten sich von dem Aufschwung-Pfeil im Logo gestört, da er wohl an ein Logo-Element einer, in der Kritik stehenden, politischen Partei erinnere.
Das ist schon erstaunlich: Es arbeiten alle gratis (nicht umsonst!) für eine gute Sache und dann gibt es immer noch Menschen, die ihre Aufgabe darin sehen, auf das „man könnte darin … erkennen“ hinzuweisen. „Ja haben die denn nichts Besseres zu tun?“ mag man sich fragen.

Das Logo wurde daraufhin wieder „demontiert“ und fürs Erste wurde also wieder ohne Erkennungszeichen kommuniziert.
„Danke, ihr 0,1 Prozent-Nörgler und Nichts-Positives-Beitrager!“ Und das ist genau ein wunder Punkt in der Branche „Design, Werbung und Kommunikation“:
Man kann es NIE allen recht machen. Versucht man es, wird das „Ding so rund gelutscht“, dass die Einzigartigkeit und der Wiedererkennungswert flöten gehen. Wie passt das zusammen? Das Eine geht nicht ohne das Andere.

Nun, da das aber keine wirkliche Neuigkeit für uns ist und wir zugegebenermaßen nun selbst auch immer öfter die Partei, deren Namen wir nicht erwähnen möchten, in dem verwendeten Pfeil sahen, haben wir weitere Alternativen entwickelt.

Mehrere Ideen führten letztendlich zu folgendem Logo:



Wir sagen DANKE an die Macher dieser tollen Initiative und sind glücklich, dass wir mit unserer Logoentwicklung einen kleinen Beitrag dazu leisten konnten!

Was gibt es sonst für Werber und Designer in dieser, noch nie erlebten, Krise zu tun? Die Frage ist – nicht nur in unserer Branche – durchaus berechtigt. Denn dringend benötigt werden nun vor allem Krankenschwestern, Altenpfleger, Ärzte und Polizisten. Personen, die sich dem Virus direkt aussetzen müssen, ob sie wollen oder nicht.

Dagegen scheint uns unsere Aufgabe regelrecht unwichtig. Aber nicht ganz:


Genau jetzt benötigen vor allem kleine und mittelständische Unternehmen publizistische Hilfe. Sie müssen gerade in diesen Zeiten kommunizieren, dass sie noch da sind, dass sie nicht aufgeben, dass sie alles dafür tun, um sich auf die ersehnte Zeit nach der Krise vorzubereiten. Sie müssen sich vor allem jetzt in Erinnerung bringen, denn sonst werden sie schneller verschwinden als das Virus an sich.


Wer das nicht macht, hat schon bald ein Problem. Nehmen wir als Beispiel die weltbekannte, mexikanische Brauerei Corona. Wie in einem Artikel auf NTV.de berichtet, „Werbung in Krisenzeiten – Heile Welt-Kommunikation braucht niemand“, hat sie seit kurzem ihre Produktion eingestellt, anstatt auf die Krise einzugehen und ihr aktiv kommunikativ entgegenzuwirken. Also Krise nicht als Chance, sondern Krise als Ende?


(Bild: © Jure Tovrljan)


Demnach sollten Marken „offen und ehrlich mit der Situation umgehen“. Das Streichen von Werbebudgets spare sicherlich kurzfristig Geld, aber am Ende schade es einer Marke sehr, wenn zu lange nicht kommuniziert werde. „Wir wissen, dass zum Beispiel die Markenbekanntheit unter zu langen Werbepausen sehr schnell leidet. Ein Aufbau der Marke dauert dann überproportional lang und kostet auch wieder deutlich mehr. Es ist deswegen wichtig, auch in Krisenzeiten medial präsent zu sein.“


Fazit: Keine Kommunikation ist die schlechteste Form der Kommunikation.


Nur: Wie die richtige Botschaft senden, wenn man nicht kann, wenn man nicht darf? Natürlich haben auch wir nicht DIE Antwort darauf. Aber wir können mit unserem Wissen und Ideen anderen Unternehmen helfen.

So erstellen wir zurzeit an nur einem Tag Social-Media-Accounts und Beiträge z. B. für Restaurants oder für Taxi-Unternehmen. Dadurch können wir als Agentur für Restaurants „Essen zum Mitnehmen“, für Taxi-Unternehmen einen Lieferservice für Lebensmittel, großflächiger und schneller anbieten und breiter kommunizieren. Alles bisher denkbar, teilweise auch schon vor der Krise geplant und teils überfällig. Allerdings in „normalen“ Zeiten nicht umgesetzt, weil man mit dem Tagesgeschäft beschäftigt war. Zugegeben, nicht die großen Kampagnen, die jeder Werber gerne entwickeln möchte. Aber es hilft. Und es hilft jetzt.

So könnte eine Lösung in der jetzigen Situation darin bestehen, dass wir klug überlegen, wie wir als kleinere Agenturen anderen durch die Krise helfen können.

Denn nur gemeinsam können wir das schaffen.

Bleiben Sie gesund!

(Titelbild: People photo created by freepik – www.freepik.com)